Spreewald – Fließe paddeln

29.09. – 12.10.

Was kann es im Herbst schöneres geben als gemütlich über – oder heißt es – in den Fließen des Spreewaldes zu paddeln. Also auf in den Spreewald um dort die Ruhe zu genießen, aber auch auf den Fließen mal wieder zu entschleunigen. Den Alltag hinter uns zu lassen.

Wir hatten zuvor 2 Campingplätze gebucht, denn beim ersten Spreewaldtrip 2014 hatten wir nur mit viel Glück noch einen Platz erwischt. Okay, das war nicht im Herbst sondern im Mai. Aber warum sollte es gerade im Herbst anders sein?

Da wir auf unserem eigentlich favorisierten Platz, auf dem wir in 2014 schon einmal waren, nur für die zweite Woche unterkommen konnten haben wir auf der Halbinsel Raatsch für die erste Woche reserviert

Um unser Platzangebot an unserem KaWa noch etwas zu erweitern haben wir noch eine Vorderfront für unsere Markise bestellt, die Seitenwände haben wir schon viele Jahre und gerade im Frühjahr und Herbst möchten wir sie nicht mehr missen.
Von dieser Vorderfront versprachen wir uns noch einmal einen Tacken mehr Gemütlich- und Behaglichkeit, gerade abends, wenn die Sonne untergegangen ist oder es eben auch mal regnet.

Nachdem eine Woche vor unserem Start dieses Zubehörteil noch nicht bei uns eingetroffen war habe ich dann versucht die Lieferanschrift noch zu verändern – welch ein Drama. Der Kundendienst dieses recht bekannten niederländischen Campingausstatters lässt echt zu wünschen übrig. Von „geht nicht mehr, ihr Artikel hat unser Haus schon verlassen“ bis „hätten sie heute Vormittag angerufen“ – das war einige Tage später bis noch zwei Tage später eine Versandbestätigungsmail war alles dabei. Wir haben uns natürlich total geärgert zumal es drei Wochen im Vorfeld bestellt wurde.

Der absolute Hammer war dann dass dieses Paket – regendurchweicht – nach unserer Rückkehr vor unserer Haustüre lag. Wer weiß wie lange, und gut dass wir in einem ehrlichen Dorf wohnen.

der Markise

Jetzt muss ich natürlich (ein-) gestehen dass uns diese Vorderwand nur auf dem ersten Campingplatz etwas genutzt hätte, denn als wir zum Standortwechsel die Markise einfahren wollten versagte das Kurbelgetriebe. Nur mit Unterstützung eines weiteren Campers haben wir dann zu Dritt und mit Wasserpumpenzange die Markise Zahn für Zahn eingeholt bekommen.

Auf dem zweiten Platz wurde mir der Kontakt zu einer KFZ-Werkstatt, die auch Wohnmobile verleiht, vermittelt. Dort wollte man mir auch helfen, sogar ein schon eingetroffenes Kurbelgetriebe für einen anderen Kunden, der jedoch sein WoMo erst in 2 Wochen zur Reparatur vorbeibringen wollte, einbauen. Doch wenige Minuten nach dieser Meldung kam dann der Anruf dass es doch nicht geht. Derzeit ist dieses Kurbelgetriebe nicht zu haben, nirgendwo auf den entsprechenden Seiten, auch bei Truma und Omnistore nicht.

Fazit: Selbst wenn die Vorderwand noch vor unserer Tour eingetroffen wäre wir hätten sie in der zweiten Woche nicht nutzen können.

Das entsprechende Kurbelgetriebe habe ich dann nach einer intensiven, 6-wöchigen Internetrecherche nach unserer Tour dann auch endlich bekommen. Selbst der Wechsel dieses Getriebes ist nicht ohne Demontage der Markise möglich gewesen – also alles nicht’s für „mal soeben“, unterwegs.

Doch jetzt genug zur Vorgeschichte.

Wir starteten diese zwei Wochen also zunächst am Neuendorfer See, auf der Halbinsel Raatsch. Der Neuendorfer See liegt im Norden des Biosphärenreservats Spreewald, das knappe 100 Kilometer südlich von Berlin liegt. Der Spreewald ist von unzähligen Fließen durchzogen sodass sich ein Mosaik aus kleinen Wiesen, Äckern und Wald gebildet hat.

Durch den Neuendorfer See fließt die Spree, mündet im Süden in den See und fließt im Nordosten, südlich von Alt-Schadow, wieder ab.

Unsere erste Kajaktour führte uns vom Campingplatz an der Ostseite der Halbinsel Raatsch um diese Halbinseel herum zur Spreemündung. Dort fuhren wir noch ein paar Kilometer Spreeaufwärts, was jedoch problemlos möglich war. Irgendwann erwischten wir einen Abzweig in einen paddelbaren Fließ, der uns wieder nordöstlich zurück brachte wo wir dann wieder in den Neuendorfer See einfahren konnten.

Diesen Fließ zurückpaddeln hatte seinen Reiz, vorbei an Wiesen, kleinen Wäldchen und plötzlich entdeckte Moni Pilze, die fast zum greifen nah am Ufer standen. Es waren Parasole, Moni musste also aussteigen und uns unsere Abendmahlzeit organisieren.

 

wieder etwas dazu gelernt, Roggen-Whiskey

 

Nach dieser ersten Tour auf dem Wasser suchten wir uns für die zweite Tour unsere Fahrräder aus. Das Wetter war einen tacken kühler geworden, am Himmel zeigten sich kleine Regenwolken. Den Tag haben wir dann auch weitestgehend trocken überstanden. Unterwegs auf unserer Runde – zumeist auf dem gut ausgeschilderten, aber auch gut befahrbaren Gurkenradweg – kamen wir nach Schlepzig. In Schlepzig stießen wir dann, nachdem wir uns das Dorf ausgiebig angeschaut hatten, auf eine Whiskey-Destillerie.

Und es war bzw. ist eine ganz spezielle – dort wird nämlich Roggen-Whiskey produziert. Ich wusste bis dahin nur dass Gerste als Getreide zum Zuge kommt. Also wieder etwas neues gelernt.

Der benötigte Roggen kommt von den umliegenden Feldern.

Dass Brandenburg Europas größte Anbauregion für Roggen ist – auch das wusste ich zuvor nicht. Selbst Amerikaner kaufen für ihre Whiskey Produktion ihren Roggen in Brandenburg ein.

 

 

Und natürlich konnten wir an den Pilzen, die auf unserer Radtour am Wegesrand standen, nicht vorbei fahren. Auch wenn es nur einige wenige waren, aber für Abends, quasi zum Abschluss auf der Halbinsel Raatsch, reichte es aus sodass es wieder ein leckeres Pilzgericht gab.

 

 

 

Für unsere zweite Woche hatten wir auf dem Spreewald-Natur-Camping  „Am Schlosspark“ in Lübbenau ja eine Reservierung. Diesen Platz kannten wir da wir vor 8 Jahren schon einmal hier unser Nachtlager aufgeschlagen hatten. Dieses Mal standen wir fast direkt am Fließ, nur duch den Fahrweg getrennt was uns natürlich das morgendliche Starten als auch die Rückankunft erheblich erleichterten. Unseren Bootswagen hatten wir deshalb auch nicht mitgenommen.

Was uns damals wie heute besonders anspricht ist einmal die Nähe zur Stadt Lübbenau. Mit dem Rad sind es nur ein paar Minuten, selbst zu Fuß ist es ein kleiner Spaziergang. Das wichtigste ist jedoch dass wir hier gleich 4 ausgeschilderte Wasserwanderrouten angeboten bekommen, von leicht bzw. kürzerer Distanz bis hin zu 2 größeren Rundfahrten.

Okay, hier am Platz herrscht reger Kajakverkehr zumal auch 2 Bootsverleiher links und rechts von unserem Standort gut besucht sind und viele Kanuten ihre ersten Erfahrungen auf dem Wasser mit einem Kanu machen. Manchmal stehen sie quer, blockieren also für andere die Durch- oder Weiterfahrt. Ihnen zugute kommt jedoch der Umstand dass es hier auf den Fließen so gut wie keine Strömung gibt, selbst Wendemanöver sind eigentlich problemlos zu bewältigen.

Doch diese Menschen- und Bootsansammlung verteilt sich unterwegs recht schnell, vor allem wenn wir uns für die längeren Wanderstrecken entschieden hatten.

Aber es ist spannend, teilweise auch unterhaltsam zu sehen wie die unerfahrenen Kanuten dann die Anlegestege an den Schleusen oder auch Bootstreppen anfahren. Sie beugen sich seitlich über das Boot um mit der Hand den Steg oder einen Ring auf dem Steg zu fassen zu bekommen und dann haben sie dummerweise den Schwerpunkt soweit außerhalb des Kanus verlagert dass das Boot (leider) umkippt. Solange es ein Boot mit 2 Erwachsenen ist kann ich mir ein schmunzeln nicht verkneifen. Aber manchmal ist es auch ein Familienausflug mit Kindern. Gut dass die meisten von der Bootsverleihern auch mit Schwimmwesten ausgestattet werden und ihnen geraten wird diese auch anzulegen. Viele unterschätzen nämlich die Gefahr, sie denken auch „ach, der Fließ ist doch nicht tief, da kann ich ja noch stehen …“ aber bei Kindern kommt bestimmt auch der Schreckmoment noch hinzu.

 

auf Augenhöhe mit Kühen und Enten

knapp über der Wasseroberfläche

 

 

 

 

 

 

Aber was soll’s, wir genossen unsere Wandertouren. Mal bei angenehmen Wetter, mit leichtem Sonnenschein …

 

… mal aber auch ziemlich bedeckt, trübe. Und wir waren mal wieder fast alleine unterwegs.

 

Einen Tag später haben wir absolut geiles Wetter erwischt. Bis auf ganz wenige Wölkchen war der Himmel total blau. Aber Vorsicht, die Temperaturen waren nicht mehr  hochsommerlich, wir hatten ja auch schon Mitte Oktober.

Und ja, schleusen ist was ganz normales im Spreewald. Im Gegensatz zur Lahn, auf der ja auch etliche Schleusen zu passieren sind, geht es hier jedoch alles gemächlich zu, also keine Hektik, die auf der Lahn von den unzähligen Kanuten verbreitet wird, die bei schönem Wetter dort anzutreffen sind. Und häufig ist das Schleusen dann noch abenteuerlich – denn einmal gibt’s dort viele ungeübte, dazu kommen dann noch die zumeist jugendlichen Kanuten, die am Vormittag schon einen leichten Alkoholpegel aufweisen.

Gerade wenn sich viele Kajaks vor der Schleuse angesammelt haben versuchen alle in die Schleusenkammer zu kommen. Dabei vergessen sie dass die Schleusen „hinten“ zumeist eine Stufe haben und ihr Kanu beim abwärtsschleusen, sollte es genau über einer solchen Stufe stehen, natürlich angehoben wird. Vielfach endet das dann mit einem Bad in der Lahn.

Ich kann’s nicht oft genug sagen, hier genossen wir die Ruhe.

 

Interessant wird es vor allem dort, wo das Wasser im Fließ fast steht, die Oberfläche absolut ruhig und glatt ist. Wir „gleiten“ ganz langsam vor uns ihn, ich muss Moni immer bremsen dass sie nicht einen neuen Paddelschlag macht und damit für Bewegungen auf der Wasseroberfläche sorgt.

Das gesamte Ufer mit seinen Sträuchern und Bäumen spiegelt sich dann auf der Wasseroberfläche. Wie ich solche Momente genieße.

Solche Aufnahmen mache ich ganz gerne, und wenn dann kein Orientierungspunkt vorhanden ist – wie links die Spitze unseres Kanus – könnte das Bild auch gedreht werden ohne dass es auffallen würde.

 

Dieses sachte dahingleiten bietet natürlich auch die Chance Tiere rechts und links zu sehen. So hörten wir plötzlich ein Geräusch …

… ein Waschbär kam den Baum herunter gelaufen ohne dass er Notiz von uns nahm. Erst unten am Boden angekommen bemerkte er uns. Vielleicht hatte er uns aber aus der Baumkrone oder wo auch immer er saß schon längst beobachtet.

Natürlich nahm er dann Notiz von uns, schaute uns an.

Es dürfte für ihn jedoch keine Besonderheit sein dass hier Kanuten vorbei fahren, Vielleicht gehören wir jedoch zu den wenigen die hier mehr gleiten, sich „treiben“ lassen statt zügig durchzupaddeln.

Ich denke einmal dass wir hier jetzt eine ganze Weile hätten stehen bleiben können ohne dass er davon gelaufen wäre.

 

 

Auch einen Tag später gehörten wir wohl zu den wenigen die auf dem Wasser unterwegs waren. Zwar schien die Sonne, der Himmel war wieder einmal blau, aber die wärmenden Sonnenstrahlen konnten kaum bis zu uns durchdringen.

Spreewald eben, wie der Name schon sagt. Im Sommer bestimmt Spitze, dieser Schatten spendende Wald.

So bewegten sich die Temperaturen, vor allem knapp über dem Wasser, so eben im zweistelligen Bereich. Gut dass wir eine Thermokanne mit heißem, schwarzen Tee dabei haben sodass wir uns bei Pausen, zumeist an den Schleusen, dann einen kräftigen heißen Schluck gönnen.

 

 

Cottbus

Wir konnten leider auf unserem Campingplatz nicht mehr verlängern, Da das Wetter aber noch herrlich war verstauten wir unser Kajak wieder gut auf dem Dach und fuhren nach Cottbus. Wir waren schon häufiger im Osten der Republik unterwegs, aber noch nie in Cottbus. Aber jetzt, denn wir waren ja immerhin im Spreewald. Und die Spree fließt ja auch durch Cottbus. Mit den kleinen behutsamen Fließen aber auch der Spree dort ist sie in Cottbus nicht mehr zu vergleichen.

Etwas abseits des Stadtzentrums fanden wir einen Wohnmobilstellplatz am Tierpark.  Von dort aus waren wir mit unseren Fahrräder sehr schnell in der Stadt.
Als erstes fuhren wir die alten Gerberhäuser an. Ein alter überlieferter Stadtplan aus dem Jahr 1724 weist am Mühlengraben neben Wassermühlen auch mehrere massive Gerberhäuser aus von denen heute nur noch zwei erhalten sind.

Damals waren es wegen der erheblichen Geruchsbelästigung reine Betriebsstätten. Als ca. 1900 die Gerberei in Cottbus aufgegeben wurde dienten sie zunächst als Lager. Die letzten beiden aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gerberhäuser konnten durch engagierte Bürger instand gesetzt werden sodass sie heute Wohnhäuser bzw. Ferienwohnungen sind.

 

Bei einem Brand 1882 wurden die Stadtmühlen am Cottbuser Mühlengraben vernichtet. So auch die 1836 gebaute Wilhelmsmühle, eine ursprüngliche Walkmühle. Walkmühlen kamen bei Gerbern zum Einsatz um feines und dünnes Leder zu bearbeiten. Eine solche Mühle ersetzte bis zu 40 Fußwalker; von daher bildeten sie damit ein soziales Problem. 1856, nur 20 Jahre später, erfolgte die Umnutzung der Walkmühle zur Mahlmühle; zumindest hatte man damit den sozialen Spannungen, die es um die Mühle herum gab, den Nährboden genommen.

Direkt angrenzend entstand – ebenfall am Mühlgraben – in den Folgejahren ein Elektrizitätswerk, das 1903 in Betrieb genommen wurde. Cottbus hatte sich nämlich mehr und mehr zu einer Industriestadt entwickelt sodass die Erzeugung von elektrischem Strom nötig wurde.

Anfangs versorgte das Elektrizitätswerk die Cottbuser Straßenbahn sowie 138 Hausanschlüsse mit rund 800.000 kW Strom. In den Jahren 1907, 1908 und 1910 wurde das Elektrizitätswerk zur Steigerung der Leistungsfähigkeit vergrößert; in den ersten zehn Jahren nach der Inbetriebnahme wurde die Stromerzeugung verfünffacht. Ab 1909 wurde auch das Cottbuser Umland mit elektrischem Strom versorgt. Aufgrund des immer weiter steigenden Strombedarfs wurde das Elektrizitätswerk zwischen 1926/27 und 1929 erweitert.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Kesselhaus durch einen Bombentreffer beschädigt. Kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee im April 1945 wurden die Wehranlagen  durch die Wehrmacht gesprengt, wodurch die Stromversorgung kurzzeitig unterbrochen war. Nach etwa einen Monat konnte das Wehr provisorisch wiederhergestellt werden, sodass eine Stromproduktion wieder eingeschränkt möglich war. Mit dem Beginn des Braunkohlebergbaus in der Lausitz und dem Betriebsbeginn des Kraftwerks Lübbenau wurde der Betrieb des Elektrizitätswerks im Jahr 1960 eingestellt, fast die gesamte technische Anlage wurde daraufhin abgebaut. Seit 2013 sind nach Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten hier Wohnungen und Ingenieurbüros untergebracht.

Landpyramide

im Schlosspark Branitz

Seepyramide

Grabstätte von Hermann von Pückler

Der Fürst-Pückler-Park in Branitz war dann unser letzter Anlaufpunkt. Mitten im Park natürlich das Schloss Branitz, in dem Fürst Pückler lebte. Der Park selbst ist ein großzügig angelegter Landschaftspark. Pückler ließ hier aus einer ebenen Agrarlandschaft ein künstliches Relief aus Hügeln und Tälern und Gewässern anlegen.

Bis 1945 befand sich Pücklers Erbe in den Händen seiner Nachfahren, anschließend wurde die Familie von Pückler enteignet und Park und Schloss gingen in Volkseigentum über. Mich erinnerte dieser Schlosspark eher an eine Golfanlage. Wahrzeichen und nicht zu übersehen sind auch die beiden Pyramiden, Die Seepyramide (links), in der Pücklers Lebensgefährtin Lucie und eben Hermann von Pückler beigesetzt sind, und die Landpyramide (rechts).